Endometriose

Endometriose ist eine der häufigsten gynäkologischen Erkrankungen. Trotzdem ist sie immer noch weithin unbekannt. Sie tritt zwischen Pubertät und Wechseljahren auf. Der Begriff Endometriose beschreibt eine Veränderung im Körper der Frau, bei der Gebärmutterschleimhaut auch außerhalb der Gebärmutterhöhle wächst. Nicht bei allen Frauen führt dies zu spürbaren Beschwerden. Endometriose kann aber auch zu einem schwerwiegenden chronischen Zustand mit starken Schmerzen werden und die Fruchtbarkeit mindern.

Wenn eine Frau starke Beschwerden hat, braucht es oft eine gewisse Zeit, bis festgestellt wird, was der Grund dafür ist. Dies kann sehr belastend sein. Für diese Frauen wäre eine frühzeitige Diagnose wichtig, um Klarheit über ihre Schmerzen zu gewinnen. Eine ursächliche Heilung ist derzeit nicht möglich; behandeln lassen sich nur die durch Endometriose ausgelösten Beschwerden. Welche Diagnose- und Behandlungsmethoden infrage kommen, richtet sich danach, wie ausgeprägt diese sind.

Wenn die Therapie genau auf die persönlichen Lebensumstände und die Ausprägung der Erkrankung abgestimmt ist, ist es jedoch vielen Frauen möglich, gut mit Endometriose zu leben. Wie bei anderen chronischen Krankheiten ist es wichtig, den eigenen Körper und seine Reaktionen kennenzulernen, um Wege zu finden, mit den typischen Beschwerden umzugehen. Fundierte Informationen und die Zusammenarbeit mit kompetenten, unterstützenden Ärztinnen und Ärzten können dabei helfen.

Das Wissen über Endometriose ist in vielen Bereichen noch lückenhaft. Dieser Artikel informiert ausführlich über die Symptome und deren Auswirkungen auf die Lebensqualität, sowie über Möglichkeiten der Diagnose und Behandlung von Endometriose.

Diese hier bereit gestellten Informationen zur Endometriose gründen auf einer Expertise, die das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) im Auftrag Bundesgesundheitsministerium (BMG) erstellt hat.

1. Hintergrund

1. Hintergrund

Carolin, 38 Jahre

„Meine Krankheit ist meine Chance gewesen, etwas im Leben zu verändern. Man kann mit Endometriose leben. Sie begleitet mich. Sie hat aber keine Gewalt mehr über mich.“

1.1. Was ist Endometriose?

Die Wände der Gebärmutterhöhle (Uterus) sind von innen vollständig mit der "Endometrium" genannten Gebärmutterschleimhaut überzogen. Was sie von anderen Körperschleimhäuten unterscheidet, ist vor allem ihre Wandlungsfähigkeit: Im Verlauf jedes Monatszyklus vermehren sich ihre Zellen, sie wird dicker und bereitet sich auf ihre Funktion als Nährboden für ein befruchtetes Ei vor. Kommt es zu keiner Befruchtung, wird der größte Teil des aufgebauten Schleimhaut-Polsters wieder abgestoßen, was mit einer Blutung (Menstruation) einhergeht. Den Auf- und Abbau der Gebärmutterschleimhaut steuern die weiblichen Geschlechtshormone (Östrogen und das Gelbkörperhormon Progesteron).

Bei der Endometriose wächst Gebärmutterschleimhaut auch außerhalb der Gebärmutterhöhle. Diese Gewebeveränderungen haben manchmal nur geringe Folgen, können die Lebensqualität betroffener Frauen aber auch stark beeinträchtigen. [1], [2], [3]

Abbildung: Gesunde Gebärmutter (Uterus)
Abbildung: Gesunde Gebärmutter (Uterus)


Am häufigsten von Endometriose betroffen ist der Bereich des "kleinen Beckens" mit den Eierstöcken, Eileitern, dem Bindegewebe und den haltenden Bindegewebsstrukturen sowie dem taschenartigen "Douglas'schen Raum" zwischen Gebärmutter und Enddarm. Gewebsansiedlungen (Herde) außerhalb des Bauchraums kommen nur in wenigen Fällen vor. Medizinisch werden die Erscheinungsformen der Endometriose danach eingeteilt, wo sich die Herde befinden können:

  • Es entwickeln sich Herde in der Gebärmuttermuskulatur oder in der Eileiterwand, und das Gewebe ist mit der Gebärmutterschleimhaut direkt verbunden.
  • Gebärmutterschleimhaut wächst in oder an den Eierstöcken und im kleinen Becken.
  • Seltener siedeln sich Endometrioseherde außerhalb des kleinen Beckens an, zum Beispiel in Blase oder Darm, sehr selten auch darüber hinaus, zum Beispiel in der Lunge.
Abbildung: Einfluss der Hormone auf die Gebärmutterschleimhaut im Verlauf eines Monatszyklus
Abbildung: Einfluss der Hormone auf die Gebärmutterschleimhaut im Verlauf eines Monatszyklus

Auch die Gebärmutterschleimhaut außerhalb der Gebärmutterhöhle reagiert auf den Hormoneinfluss mit zyklischem (sich regelmäßig wiederholendem) Wachstum und Abbau. Bei manchen Frauen funktioniert dieser Vorgang unbemerkt und komplikationslos, bei anderen führen Blut- und Schleimhautreste außerhalb der Gebärmutter zu Gewebeverklebungen, Entzündungen und in der Folge zu Narben und Verwachsungen. Im Verlauf der Erkrankung können sich Endometrioseherde vergrößern, oder es bilden sich Zysten. Zysten sind mit Flüssigkeit gefüllte Gewebehohlräume. Endometriosezysten an den Eierstöcken werden als "Endometriome" bezeichnet. Sie enthalten oft verdicktes dunkles Blut, weshalb sie auch "Schokoladenzysten" genannt werden. Wenn Zysten und Verwachsungen die Funktion der Eierstöcke und Eileiter beeinträchtigen, ist häufig auch die Fruchtbarkeit vermindert.

Beatrix, 35 Jahre

„Bei mir äußert sich die Endometriose vor allem durch Zysten an den Eierstöcken und durch wenige Herde am Bauchfell. Dazu kommt, dass ein Eileiter verschlossen ist.“

Meistens verursacht Endometriose bei Frauen nur während ihrer fruchtbaren Jahre, also im Alter von etwa 13 bis 50 (auch "reproduktive Phase" genannt), Beschwerden. Nur in sehr seltenen Ausnahmefällen macht sich Endometriose schon vor der ersten Regelblutung und nach den Wechseljahren bemerkbar. Ob Endometrioseherde Schmerzen auslösen und wie stark diese sind, hängt nicht bei jeder Frau damit zusammen, wie ausgeprägt ihre Endometriose ist.

Abbildung: Seitenansicht des Unterbauchs mit Endometrioseherden

Abbildung: Seitenansicht des Unterbauchs mit Endometrioseherden

1.2. Wie häufig ist Endometriose?

Die Angaben aus verschiedenen Erhebungen zur Häufigkeit von Endometriose schwanken bei Frauen ohne Beschwerden zwischen 2 und 50 % (2 bis 50 Frauen von hundert) und mehr. Bei Frauen, die stark schmerzhafte Regelblutungen haben, geht man in 40 bis 60 % der Fälle von einer Endometriose aus, bei ungewollt kinderlosen Frauen von 20 bis 30 %. [3] Insgesamt lässt sich also sagen, dass Endometriose eine weit verbreitete Erkrankung ist.

Die Beschwerden können mit der Dauer der Erkrankung zunehmen. Es dauert oft lange, bis eine Endometriose diagnostiziert wird. Bei vielen Frauen wird die Erkrankung erst festgestellt, wenn sie etwa 40 Jahre alt sind. [4], [5], [6] Wenn Sie vermuten, dass Sie an Endometriose erkrankt sind, ist es wichtig, eine gute ärztliche Unterstützung zu finden. Die Ärztin oder der Arzt sollte sich die Zeit nehmen, Ihre Probleme umfassend mit Ihnen zu besprechen.

Bettina, 46 Jahre

„Grundsätzlich sind die Schmerzen mit den Jahren stärker geworden und haben immer länger angehalten. Das war eigentlich das größte Problem: dass es so lange gedauert hat.“

Endometriose löst bei manchen Frauen starke Schmerzen aus, bei vielen anderen macht sie sich nur durch geringe Beschwerden oder gar nicht bemerkbar. Die Diagnose ist bei Frauen mit geringen Beschwerden daher oft ein Zufallsbefund, bei dem die typischen Veränderungen im Rahmen einer Untersuchung des Bauchraums aus einem anderen Grund entdeckt werden.

Frauen mit milder Endometriose und leichten Beschwerden haben gute Chancen, dass ihre Erkrankung nicht weiter fortschreitet. [5] Eine stark ausgeprägte Endometriose kann eine spontane Schwangerschaft erschweren, aber es ist unklar, ob dies auch für milde Formen von Endometriose gilt. [7]

Carolin, 38 Jahre

„Ich bin ganz normal schwanger geworden und hatte auch mit der Schwangerschaft keine Probleme.“

2. Ursachen und Anzeichen

2.1. Wie entsteht Endometriose?

Es gibt verschiedene Theorien über die Ursachen von Endometriose. Letztlich ist jedoch bis heute unklar, wie es zum Wachstum von Gebärmutterschleimhaut außerhalb der Gebärmutter kommt. Wahrscheinlich greifen dabei mehrere Faktoren ineinander.

Die "Verschleppungs-" oder "Transplantationstheorie" besagt, dass Zellen aus der Gebärmutterschleimhaut über den Blutkreislauf in andere Bereiche des Körpers gelangen oder mit Menstruationsblut über die Eileiter in den Bauchraum wandern (so genannte retrograde Menstruation) und dort anwachsen. Ein solcher "rückwärts gewandter" Menstruationsfluss kommt aber offenbar bei vielen Frauen vor. Da diese Theorie nicht erklären kann, warum es bei einigen Frauen zu einer Ansiedlung von Schleimhautzellen kommt und bei anderen nicht, wird angenommen, dass zusätzlich eine Störung im Zusammenspiel der Hormone oder des Immunsystems vorliegt. Denn normalerweise sorgt die körpereigene Abwehr dafür, dass sich Gewebe aus bestimmten Organen nicht in anderen Bereichen des Körpers festsetzt.

Beatrix, 35 Jahre

„Bei mir ging alles relativ schnell: Vor fünf Jahren ist meine Regelblutung immer stärker geworden, ich bekam zunehmend mehr Beschwerden und es wurde vermutet, dass die Eierstöcke entzündet sind.“

Die Theorie der Zellumwandlung (Metaplasie) geht davon aus, dass sich bestimmte Zellen aus ebenfalls ungeklärten Gründen in Gebärmutterschleimhaut-Zellen umwandeln. Auch Besonderheiten der Zellen der Gebärmutterschleimhaut werden diskutiert. [2], [8]

Da Endometriose in manchen Familien gehäuft vorkommt, könnten auch genetische Faktoren bei der Krankheitsentstehung eine Rolle spielen. [3] Es gibt zurzeit jedoch keine Hinweise für eine direkte Vererbung.

Insgesamt gibt es sowohl zu möglichen Risikofaktoren als auch zu vorbeugenden Maßnahmen kaum gesichertes Wissen.

Bettina, 46 Jahre

„Ein Arzt hat mir einmal gesagt, dass die Ursache für solche Schmerzen häufig die Psyche ist. Besonders bei Frauen, die Karriere machen wollen und mit ihrer Weiblichkeit nicht richtig zu Recht kämen. Bei mir ist diese Aussage hängen geblieben. Für mich lag die Ursache in der Psyche. Am Rande eines Gespräches hat er mich auf Zysten hingewiesen, die dann auch behandelt wurden. Da hätte ich eigentlich hellhörig werden müssen.“

2.2. Beschwerden bei Endometriose

Carolin, 38 Jahre

„Ich habe 1995 erfahren, dass ich an Endometriose erkrankt bin. Aber ich hatte eigentlich schon immer Regelschmerzen. Die Schmerzen waren sehr stark, so dass mir übel wurde und ich manchmal ohnmächtig geworden bin. Aber mir war zu diesem Zeitpunkt nicht bewusst, dass das krankheitsbedingt sein könnte.“

Endometrioseherde verursachen bei vielen Frauen keine spürbaren Beschwerden. Sie können aber auch zu Entzündungen, Zysten und Verwachsungen führen und Symptome unterschiedlicher Stärke hervorrufen. Eine Endometriose tritt häufig erst dann als Erkrankung in Erscheinung, wenn sie erhebliche Schmerzen verursacht, zu starken Verwachsungen führt oder eine Schwangerschaft ausbleibt. Endometrioseherde können aber auch zunächst unbemerkt Organe wie die Blase oder den Darm befallen. Krankheitszeichen, die mit solchen Organveränderungen verbunden sind, werden häufig nicht mit einer Endometriose in Verbindung gebracht. Genaue Angaben zur Häufigkeit ernsthafter Folgen von Endometriose lassen sich derzeit ebenso wenig machen wie Voraussagen, bei welchen Frauen sie auftreten. [1] Oft ist die Lebensqualität und Leistungsfähigkeit von Frauen mit schwerer Endometriose stark eingeschränkt.

Beatrix, 35 Jahre

„Andere Frauen haben zum Teil jahrelang Beschwerden. Bei mir ging das Knall auf Fall. Ich hatte keine Beschwerden. Aber ich habe auch viele Jahre die Pille eingenommen. Als ich sie abgesetzt habe, ist die Regelblutung immer stärker geworden und es kamen starke Erschöpfungszustände dazu. Das war für mich das eigentlich Belastende: die Erschöpfung und die Kraftlosigkeit.“

Das Hauptsymptom bei Endometriose sind Unterleibsschmerzen in wechselnder Stärke, oft im Zusammenhang mit der Regelblutung und / oder Geschlechtsverkehr. Die Schmerzen können in den Unterbauch, in den Rücken und bis in die Beine ausstrahlen. Sie werden oft als krampfartig erlebt und können von Übelkeit, Erbrechen und Durchfall begleitet sein.

Häufige Symptome der Endometriose sind:

  • Dysmenorrhoe: starke Menstruationsschmerzen. Als Auslöser für die Regelschmerzen werden Prostaglandine und andere körpereigene Stoffe vermutet. Sie bewirken ein Zusammenziehen der Gebärmuttermuskulatur, um die Gebärmutterschleimhaut abzustoßen. Nach Schätzungen haben 10 von 100 Frauen in gebärfähigem Alter so starke Menstruationsbeschwerden, dass sie jeden Monat für ein bis drei Tage nicht in der Lage sind, ihren normalen Alltag zu bewältigen. [2]
  • Dyspareunie: Schmerzen während des Geschlechtsverkehrs, die meist als brennend oder krampfartig empfunden werden. Bei manchen Frauen treten Schmerzen auch erst einige Zeit nach dem Geschlechtsverkehr auf.
  • Unterbauchbeschwerden unterschiedlicher Intensität und Lokalisation, die nicht im Zusammenhang mit der Monatsblutung auftreten. Dauerhafte (chronische) Unterbauchbeschwerden sind jedoch selten.
  • Völlegefühl oder Darmbeschwerden. Sind Blase oder Darm betroffen, kann der Stuhlgang schmerzhaft sein.

All diese Symptome sind aber nicht unbedingt typisch für Endometriose, sondern kommen auch bei vielen anderen Veränderungen im Bauchraum vor - manchmal sogar, ohne dass sich überhaupt eine Veränderung feststellen lässt. [2] Chronische Unterbauchbeschwerden zum Beispiel können, müssen aber nicht durch eine Endometriose verursacht sein. Häufige heftige Beschwerden haben oft eine allgemeine Erschöpfung, körperliche und psychische Überforderung zur Folge.

2.3. Die Qualität der Schmerzen

Der Begriff Endometriose bezeichnet sowohl Veränderungen im Körper beschwerdefreier Frauen wie auch die bei Frauen mit erheblichen Beschwerden. Zwischen dem, was Ärztinnen und Ärzte bei der Untersuchung einer Frau feststellen (medizinischer oder klinischer Befund), und dem Ausmaß ihrer Beschwerden besteht oft ein großer Unterschied. Es ist also nicht so, dass zahlreiche und große Endometrioseherde automatisch starke Beschwerden verursachen. Umgekehrt können auch kleine Gewebsansiedlungen sehr schmerzhaft sein. Dies ist nicht immer leicht nachzuvollziehen - weder für die betroffenen Frauen selbst noch für ihre behandelnden Ärztinnen und Ärzte. Zudem ist die Stärke der Schmerzen nicht objektiv messbar, nur die Frau selbst kann die Stärke ihrer Beschwerden und die Auswirkungen der Schmerzen auf ihre Lebensqualität einschätzen. [1], [2]

Bettina, 46 Jahre

„Die Schmerzen waren so, als würde mir jemand ein Messer in den Bauch stechen, als würde mir ohne Narkose der Bauch aufgeschnitten werden. Sie waren für mich ohne Schmerztabletten einfach nicht zu bewältigen. Ich hatte auch Blähungen und Verstopfungen.“

Manche Frauen empfinden ihre Schmerzen als sehr aggressiv und belastend, sie beschreiben sie zum Beispiel "wie ein Dolch..., Messer in den Eierstöcken..., brennend, beißend, scharf...". [9], [10] Die Partner betroffener Frauen können das Ausmaß der Beschwerden und ihre Auswirkungen nicht immer nachempfinden, was die Partnerschaft belasten kann. [11] Dennoch bedeutet ihr Partner oder ihre Partnerin für viele Frauen eine wichtige Unterstützung. [12] Einige Frauen mit sehr schmerzhafter Endometriose fühlen sich in der Bewertung ihrer Schmerzen generell unverstanden. Sie finden auch bei ihren Angehörigen und Partnern kein Verständnis für ihre geringe Belastbarkeit und ihr Kranksein. [12]

3. Diagnose: Wie wird Endometriose festgestellt?

Endometriose wird häufig erst sehr spät erkannt, nach Schätzungen etwa drei bis manchmal sogar mehr als zehn Jahre nach Auftreten der Beschwerden. [6], [13] Bis zur Diagnose vergeht oft viel Zeit, in der die Frauen versuchen, irgendwie mit ihren Schmerzen zurechtzukommen. Viele glauben, selbst stärkste Schmerzen seien normal und gehörten zur Menstruation dazu. Sie empfinden ihre Beschwerden als schicksalhaft. Andere probieren verschiedenste Behandlungen aus und fühlen sich bei ausbleibendem Erfolg zunehmend verunsichert.

Bettina, 46 Jahre

„Ich denke, dass ich schon in jungen Jahren an Endometriose erkrankt bin. Ich habe damals immer geglaubt, dass es an mir liegt beziehungsweise, dass die Schmerzen normal sind. Ich bin nie auf die Idee gekommen, dass es krankhaft sein könnte.“

Neben den Schmerzen ist das Ausbleiben einer Schwangerschaft ein häufiger Grund, ärztliche Hilfe zu suchen. Bei der Suche nach den Ursachen einer ungewollten Kinderlosigkeit kann sich herausstellen, dass eine Endometriose vorliegt. Wenn die Diagnose schließlich gestellt ist, ist oft eine Behandlung möglich, die die Schmerzen lindert oder ganz verschwinden lässt. Dies und das Wissen, dass es sich um eine gutartige Erkrankung handelt, bedeutet für die meisten Frauen eine große Entlastung. Auch bei ungewollter Kinderlosigkeit können bestimmte Behandlungsmethoden in vielen Fällen helfen.

Es gibt verschiedene Untersuchungsmethoden, mit denen Ärztinnen und Ärzte versuchen, Endometrioseherde, Narben und Verwachsungen zu erkennen und andere Ursachen der Beschwerden auszuschließen. Welche Behandlungsmöglichkeiten infrage kommen, richtet sich neben Lage und Größe der Endometrioseherde nach dem Schmerzempfinden, dem Ausmaß der Beschwerden und ihrem Einfluss auf die Lebensqualität und Lebensplanung der betroffenen Frau.

Um das Ausmaß der Erkrankung einzuschätzen, orientieren sich viele Ärztinnen und Ärzte an einer Stadieneinteilung in "mild" (Stadium I, II), "moderat" (Stadium III) und "schwer" (Stadium IV). [3] Es gibt jedoch bisher keine Stadieneinteilung, die der Erkrankung tatsächlich gerecht wird. Sie ist für Frauen mit Endometriose meist auch nur wenig aussagekräftig: Wie schon beschrieben, gibt es keine direkte Beziehung zwischen der Ausprägung der Endometriose, dem Ausmaß der Schmerzen, ungewollter Kinderlosigkeit sowie dem individuell sehr verschiedenen Gefühl, durch die Erkrankung beeinträchtigt zu sein. [3]

Endometriose wird oft gar nicht oder erst sehr spät erkannt und behandelt. Beim Verdacht auf Endometriose muss jedoch gut überlegt werden, welche Untersuchungen tatsächlich erforderlich sind, um eine möglichst wirksame Therapie durchführen zu können. Nicht bei jeder Frau ist zum Beispiel eine Bauchspiegelung (Laparoskopie) nötig, um die Beschwerden ausreichend behandeln zu können.

Carolin, 38 Jahre

„Diese Zeit des Suchens nach der Ursache hat mich sehr belastet. Unter anderem auch dadurch, dass sehr viel an mir ausprobiert wurde. Ich habe nacheinander verschiedene Medikamente bekommen und es wurde geschaut, ob sie vielleicht helfen. Dieses Ausprobieren und dieses Unwissen über die Ursache hat mich belastet. Irgendwann fing ich an, an mir selbst zu zweifeln: ob ich mir die Schmerzen nicht einbilde, so wie mir immer wieder gesagt wurde.“

3.1. Anamnese, gynäkologische Tastuntersuchung und Ultraschall

Die ersten Untersuchungsschritte sind ein ausführliches Gespräch mit der Haus- oder Frauenärztin beziehungsweise dem Haus- oder Frauenarzt über die Art der Beschwerden (Anamnese) und eine allgemeine körperliche sowie gynäkologische Untersuchung (Tastuntersuchung und Sichtuntersuchung mit einem Scheidenspiegel (Spekulum). Alles zusammen liefert Hinweise für die Entscheidung, ob weitere Untersuchungen sinnvoll sind. [3] Ein Hinweis auf Endometriose kann auch die Erfahrung sein, dass schmerzstillende Mittel wie zum Beispiel Ibuprofen oder Acetylsalicylsäure (ASS) die Beschwerden nicht lindern. Diese Wirkstoffe werden üblicherweise gegen Regelschmerzen eingenommen, wenn Medikamente angewendet werden.

Bei der gynäkologischen Tastuntersuchung prüft die Ärztin oder der Arzt, ob leichtes Bewegen der Gebärmutter, Druck auf die Seiten, die Uterus-Haltebänder und auf den Bereich zwischen der hinteren Gebärmutterwand und dem Mastdarm (Douglas'scher Raum) schmerzhaft sind. Auch Knoten und Verhärtungen im Beckenbindegewebe können ein Hinweis auf Endometriose sein. Diese kommen allerdings auch bei Verwachsungen aufgrund anderer Ursachen vor. Für eine Tastuntersuchung streift die Ärztin oder der Arzt sterile Handschuhe über und ertastet Umrisse und Beschaffenheit der Organe mit ein oder zwei Fingern der einen Hand von innen über die Scheide und den After, von außen mit der anderen Hand über die Bauchdecke.

Carolin, 38 Jahre

„Die drei Jahre vor der Diagnosestellung waren von sehr starken Schmerzen gekennzeichnet. Ich habe mich in Behandlung begeben, weil die Intensität der Schmerzen zunahm und ich dies einfach nicht mehr tolerieren wollte und auch nicht konnte.“

Eine Ultraschalluntersuchung durch die Bauchdecke kann Hinweise auf größere Endometrioseherde und -zysten oder auf Beeinträchtigungen anderer Organe, zum Beispiel der Nieren, liefern. Kleine Herde und auch Verwachsungen sind im Ultraschallbild nicht zu erkennen und bleiben daher unentdeckt. [3], [14] Eine durch die Vagina ausgeführte Ultraschalluntersuchung ist besser geeignet, um Hinweise auf eine Eierstocks-Endometriose zu erhalten.

Wenn keine behandlungsbedürftigen Veränderungen gefunden wurden, kann nach Abschluss dieser Untersuchungen in manchen Fällen bereits eine Entscheidung über eine mögliche Therapie getroffen werden. Ob weitergehende Untersuchungen sinnvoll sind, hängt unter anderem davon ab, wie stark die Beschwerden sind.

3.2. Laparoskopie

Um eine Endometriose mit einiger Sicherheit festzustellen, kann eine Bauchspiegelung (Laparoskopie) nötig sein. Eine Bauchspiegelung ist ein Eingriff, der unter Vollnarkose durchgeführt wird und mindestens zwei kleine Einschnitte erfordert. Durch einen Schnitt in Höhe des Bauchnabels führt die operierende Ärztin oder der Arzt eine winzige Kamera in die Bauchhöhle ein, die Bilder der Organe im Bauchraum und im Becken liefert. [15] Auf diese Weise lassen sich auch kleine Endometrioseherde und Verwachsungen finden. Ein weiterer kleiner Einschnitt erfolgt meistens oberhalb und seitlich der Schamhaarbegrenzung. Bei diesem Verfahren ist es gleichzeitig möglich, einzelne Endometrioseherde zu entfernen und Gewebeproben zu entnehmen (Biopsie).

Beatrix, 35 Jahre

„Meine neue Ärztin hat dann festgestellt, dass die Ursache der Beschwerden eine Zyste war. Sie hat mich gleich in ein Krankenhaus überwiesen, wo ich operiert worden bin. Dort wurde mir gesagt, dass ich an Endometriose erkrankt bin. Davon hatte ich zuvor noch nie etwas gehört.“

Die Methode ist zuverlässig vor allem zum Ausschluss einer Endometriose: Wenn bei der Bauchspiegelung keine Endometriose-typischen Veränderungen gefunden werden, ist dies ein weitgehend sicheres Zeichen dafür, dass keine Endometriose vorliegt. [15]

Bei Auffälligkeiten wie Endometrioseherden im Eierstock (Endometriomen) und auch bei Knoten im kleinen Becken wird meist Gewebe entnommen (Biopsie), um deren Struktur unter dem Mikroskop untersuchen zu können. Diese feingewebliche "histologische" Untersuchung soll zum einen die Endometriose-Diagnose sichern, zum anderen soll sie ausschließen, dass es sich um andere Erkrankungen oder um einen (seltenen) bösartigen Tumor handelt.

Weil eine Bauchspiegelung wie jeder andere operative Eingriff mit Risiken verbunden ist, kommt sie erst dann in Betracht, wenn für eine weitere Therapieentscheidung eine sichere Diagnose erforderlich ist. Dies ist der Fall, wenn starke Schmerzen die Lebensqualität und den Alltag massiv beeinträchtigen oder wenn die Funktion mitbetroffener Organe beeinträchtigt ist. [3] Auch eine medikamentöse Behandlung mit Schmerzmitteln oder Hormonen sollte wegen möglicher unerwünschter Wirkungen nicht ohne abgesicherte Diagnose begonnen werden. Bei unerfülltem Kinderwunsch wird eine Laparoskopie üblicherweise erst durchgeführt, wenn verschiedene andere Untersuchungen ergebnislos geblieben sind und ein Verdacht auf Endometriose besteht.

3.3. Andere Diagnoseverfahren

Im Blut mancher Frauen mit Endometriose kann ein bestimmter Wert (CA125) erhöht sein. [3] Weil die Bestimmung dieses Wertes und anderer Blutwerte keine eindeutigen Hinweise auf Endometriose liefert, ist sie für weitere Entscheidungen wenig hilfreich und spielt in der Endometriosediagnostik heute normalerweise keine Rolle mehr.

Je nach Ausmaß der Beschwerden und Ergebnis der gynäkologischen Untersuchung kann es sinnvoll sein, eine Nierensonographie, Blasen- und / oder Darmspiegelung durchzuführen. Selten kommen auch bildgebende Verfahren wie die Computertomografie oder die Magnetresonanztomografie (Kernspintomografie) zum Einsatz. [3]

Carolin, 38 Jahre

„Im Jahr der Diagnose bin ich fast bei jedem Zyklus zu meinem Arzt gefahren und wurde insgesamt viermal operiert. Als die Diagnose gestellt wurde, war ich sehr froh, endlich etwas in den Händen zu haben.“

4. Krankheitsverlauf

Bettina, 46 Jahre

„Heute bin ich wieder voll berufstätig. Vor ein paar Jahren hätte ich nie gedacht, dass es mir jemals so gut gehen könnte. Ich bemühe mich um mich und meinen Körper: Ich mache Yoga, achte auf eine gesunde Ernährung und auf das Ausmaß meines Stresses.“

Wie sich eine Endometriose entwickelt, lässt sich nach derzeitigem Wissen nicht sicher vorhersagen. Es gibt jedoch Hinweise, dass sich Endometrioseherde ohne Behandlung selten spontan zurückbilden. [3]

In der Regel kann eine gezielte Therapie die Beschwerden lindern. Endometrioseherde können operativ entfernt werden, bei einigen Frauen bilden sie sich während einer Behandlung mit hormonellen Mitteln zurück. Oft kehren sie nach dem Abschluss einer Therapie aber auch wieder. [3], [5] Bei den meisten Frauen klingen die Beschwerden nach der letzten Regelblutung (Menopause) ab.

Endometrioseherde können zwar wachsen und manchmal andere Organe befallen, dies ist jedoch kein Zeichen für eine bösartige Veränderung. Daher gelten die Endometriose-typischen Veränderungen im Gegensatz zu Krebsgeschwulsten als "gutartig". Ob Frauen mit Endometriose ein bedeutsam höheres Risiko für Krebs zum Beispiel der Eierstöcke haben als andere Frauen, ist nicht zweifelsfrei belegt. [5], [15]

5. Auswirkungen auf psychisches Wohlbefinden und soziale Beziehungen

Bettina, 46 Jahre

„Im Nachhinein ist es ein Krankheitsverlauf, der sich über 20 Jahre erstreckt und wesentlicher Bestandteil meines Lebens geworden ist. Psychisch ging es mir davon etwa zwei Jahre sehr schlecht. Ich sehe das nicht nur negativ: Ich weiß, dass es auch mal schlechte Zeiten und Krisen gibt, aber ich bin in der Lage, das zu bewältigen.“

Chronische Unterbauchbeschwerden beeinträchtigen nicht nur das körperliche, sondern auch das psychische Wohlbefinden. Die Schmerzen können auf Dauer zu einem negativen Bild vom eigenen Körper, zu Überforderungsgefühlen, depressiven Verstimmungen und Ängsten führen. Eine Endometriose mit häufigen Beschwerden kann deshalb alle Lebensbereiche einer Frau beeinträchtigen. Andauernde oder wiederholte starke Schmerzen können möglicherweise mit der Zeit psychische Veränderungen begünstigen wie Gereiztheit bis hin zu Aggressivität gegen andere (Partner, Angehörige, Freunde) oder sich selbst. [11],[16],[17],[18]

Viele Frauen fühlen sich von ihrer Familie und / oder ihren Partnern und Partnerinnen unverstanden und ziehen sich zurück, weil diese nicht nachvollziehen können, wie belastend die Schmerzen sind. Nicht wenige zweifeln an sich selbst, wenn sie spüren, dass andere Menschen glauben, sie würden ihre Beschwerden übertreiben. Sie fragen sich, ob es an ihnen liegt, dass sie nicht "wie andere Frauen auch" mit Menstruationsschmerzen umgehen können - oder ob ihre Schmerzen ein ausschließlich psychisches Problem darstellen. [2],[9] Dies hängt zum Teil auch damit zusammen, dass die Diagnose "Endometriose" oft erst sehr spät gestellt wird. [6],[13], [19] Nicht zuletzt deshalb ist es wichtig, eine Ärztin oder einen Arzt zu finden, die oder der sich ernsthaft und gründlich mit den vorhandenen Beschwerden auseinandersetzt.

Carolin, 38 Jahre

„Das nahm dann alles zu: der Druck auf der Arbeit, der Druck von der Familie und mein eigenes schlechtes Gewissen gegenüber meiner Familie. Ich wurde auch von sehr engen Verwandten enttäuscht, von denen ich das vorher nicht gedacht hätte. Irgendwann kam es dann zu einem seelischen und körperlichen Zusammenbruch. An diesem Punkt habe ich gemerkt, dass ich ganz unten bin und dass es nicht mehr tiefer geht.“

Für Frauen, die sich ein Kind wünschen, aufgrund ihrer Endometriose aber nicht schwanger werden, stellt der unerfüllte Kinderwunsch oft eine zusätzliche Bürde dar, die ihre Lebensplanung durchkreuzt und ihre Partnerschaft belasten kann. Manche Betroffenen haben das Gefühl, als Frau nicht "vollständig" zu sein.

Manchen Frauen, die sich durch ihre Endometriose seelisch beeinträchtigt fühlen, hilft möglicherweise eine Unterstützung durch psychologische oder psychotherapeutische Verfahren, wie zum Beispiel Methoden zur Schmerzbewältigung, zur Behandlung von Depressionen, Ängsten oder Paarkonflikten. Wissenschaftlich ist es jedoch noch nicht belegt, dass solche Behandlungen die speziellen Beschwerden bei Endometriose bessern können.

Selbsthilfegruppen können für manche Frauen mit Endometriose eine Möglichkeit sein, Unterstützung zu bekommen und Tipps zum Umgang mit der Erkrankung auszutauschen. Internetforen bieten die Möglichkeit eines anonymen Austauschs von Erfahrungen. [10], [20] Ein solcher Austausch kann hilfreich sein. Nicht jede Frau möchte jedoch mit anderen über ihre Krankheit reden. Frauen gehen auf verschiedene Weise mit ihren Beschwerden um. Manche nutzen die Möglichkeit, Therapieverfahren oder unterstützende Angebote je nach ihren persönlichen Bedürfnissen und Vorlieben auszuprobieren.

Carolin, 38 Jahre

„Mir persönlich hat die Selbsthilfegruppe sehr bei der Bewältigung der Krankheit geholfen. Mir hat es geholfen, darüber zu reden und die Erfahrungen mit anderen zu teilen.“

5.1. Auswirkungen auf Partnerschaft und Sexualität

Carolin, 38 Jahre

„Ich gehöre zu den Frauen mit Endometriose, die täglich Schmerzen haben. Das Familienleben und die Sexualität haben sehr darunter gelitten. Mein Partner und ich, wir haben keine Sexualität mehr gelebt. Ich habe aufgrund der Schmerzen sofort blockiert und mein Partner hatte Angst, mir weh zu tun.“

„Jetzt habe ich wieder gelernt, Zärtlichkeit zu erleben und Lust zu empfinden. Wir haben zusammen gelernt, eine andere Sexualität zu leben. Es war ja nach wie vor so, dass ich Schmerzen hatte. Schon allein, dass wir darüber gesprochen haben, war sehr hilfreich. Zu klären, wann es mir nicht weh tut und ihm auch die Angst zu nehmen. Das hat uns sehr geholfen, auch auf der körperlichen Ebene wieder zueinander zu finden.“

Die meisten Frauen mit immer wiederkehrenden Unterleibsschmerzen können ihre Weiblichkeit nicht genießen. [12] Vor allem junge Frauen mit starken Beschwerden haben es nicht leicht, ein positives Verhältnis zum eigenen Körper zu entwickeln. Schmerzen beim Geschlechtsverkehr erschweren eine lustvolle Sexualität. Eine Endometriose kann den Wunsch nach eigenen Kindern unerfüllt lassen. Chronische Schmerzen können zu depressiven Verstimmungen führen, zu Müdigkeit und Reizbarkeit. All dies kann eine Partnerschaft erheblich belasten. [11]

Viele Frauen, die während oder nach Geschlechtsverkehr Schmerzen haben (Dyspareunie), versuchen sexuelle Aktivitäten zu vermeiden. Andere Frauen nehmen Schmerzen beim Verkehr in Kauf, weil sie sich ein Kind wünschen oder um ihre Beziehung nicht zu belasten. [12] Nicht wenige Frauen, die in einer festen Partnerschaft leben, verschweigen ihrem Partner, dass Penetration beim Liebesakt ihnen Schmerzen bereitet - aus Angst, ihr Partner könne sich abgelehnt fühlen oder sich von ihnen abwenden. Eine Dyspareunie führt häufig dazu, dass Frauen das Gefühl entwickeln, als Frau und Partnerin unzulänglich und unattraktiv zu sein. [2], [12] Viele Frauen empfinden auch Schuldgefühle gegenüber ihrem Partner, wenn sie Geschlechtsverkehr am liebsten vermeiden möchten.

Bei Frauen, die ihre Endometriose mit bestimmten hormonellen Mitteln behandeln, könnte die Libido auch durch die Medikamente herabgesetzt sein. [3] Falls diese unerwünschte Wirkung eintritt, hilft es vielleicht, in Absprache mit der Ärztin oder dem Arzt auszuprobieren, ob andere Mittel die Lust auf Sex weniger dämpfen. Die behandelnden Ärztinnen und Ärzte können auch über die Möglichkeit einer Unterstützung von außen informieren, zum Beispiel durch eine Paarberatung oder -therapie.

5.2. Auswirkungen auf Beruf und Alltagsleben

Bettina, 46 Jahre

„Mein Mann konnte mit meiner Erkrankung nicht sehr gut umgehen. Er hat mich immer nur leiden gesehen und war hilflos. Er hat mir aber in manchen Situationen sehr geholfen: mich angeschubst und motiviert, etwas zu unternehmen, raus zu gehen, Freunde zu treffen, in den Urlaub zu fahren... Das war für mich sehr gut, denn es besteht die Gefahr, dass man sich zurückzieht und den Kontakt verliert.“

Frauen, die wegen starker Schmerzen und Krämpfe regelmäßig nicht zur Arbeit gehen können, haben auch auf dieser Ebene mit Schuldgefühlen (gegenüber den Menschen in ihrem beruflichen Umfeld), Selbstvorwürfen (nicht belastbar und unfähig zu sein, den Job nicht ausfüllen zu können) und häufig auch mit massiven Problemen am Arbeitsplatz zu kämpfen. Viele haben Angst vor Schmerzattacken während der Arbeit, und auch davor, den Grund für ihre wiederholten Beschwerden erklären zu müssen. Solche Begründungen fallen besonders schwer in einer Arbeitsumgebung, in der die Männer unter Kollegen und Vorgesetzten in der Mehrzahl sind. [2]

Für nicht wenige Frauen bedeuten die Schmerzen eine immer wiederkehrende "Unterbrechung" ihres Alltagslebens, weil sie sie daran hindern, alltägliche Aufgaben zu erledigen, ihrer Arbeit oder Freizeitaktivitäten nachzugehen. Hinzu kommt, dass durch Schmerzen - gestörter Schlaf und starke Blutungen, bleierne Müdigkeit, körperliche Schwäche, Konzentrationsschwierigkeiten und Antriebslosigkeit verursacht werden können. [2] Die Folge sind häufig Schwierigkeiten im Beruf und in der Ausbildung. Besonders problematisch kann es sein, wenn die Frauen in einer sehr frühen - für die berufliche und familiäre Entwicklung wichtigen - Lebensphase beeinträchtigt sind.

6. Behandlung

Bettina, 46 Jahre

„Das ist im Moment meine Lösung: Ich bin weiterhin unter ärztlicher Kontrolle und ich achte noch mehr auf meinen Körper - den verbliebenen Herd bemerke und spüre ich auch. Ich warte jetzt auf die Wechseljahre.“

Es gibt derzeit leider keine Therapie, die zu einer Heilung der Endometriose im Sinne einer Beseitigung ihrer Ursachen führt. Verschiedene Behandlungsmöglichkeiten können jedoch helfen, die Beschwerden (Symptome) zu lindern (so genannte symptomatische Therapie). [21] Obwohl Endometrioseherde und Symptome nach der Therapie häufig wiederkehren, können manche Frauen auch dauerhaft von einer Behandlung profitieren.

Die Behandlung mit Medikamenten soll die Schmerzen lindern. Dies ist zum einen mit schmerzstillenden, zum anderen mit hormonellen Wirkstoffen möglich. Viele Frauen wenden auch Mittel der Komplementärmedizin an. Im Allgemeinen ist es das Ziel einer operativen Therapie, die Schmerzen durch Entfernung möglichst aller Endometrioseherde einzudämmen oder zu beseitigen. Werden Organe wie zum Beispiel Darm oder Blase durch Endometrioseherde beeinträchtigt, kann dies eine Operation erforderlich machen.

Ob eine Medikamentenbehandlung oder eine Operation bei Endometriose die wirksamere Therapie ist, ist bisher nicht gut vergleichend untersucht worden und lässt sich daher nicht generell beantworten. Ob eine Frau sich für oder gegen einen Eingriff entscheidet, hängt neben der Art und Stärke ihrer Beschwerden aber ohnehin von zum Teil sehr persönlichen Überlegungen ab, wie zum Beispiel von

  • einer Abneigung gegen eine oft wiederholte, jahrelange Medikamenteneinnahme aus Furcht vor unerwünschten Wirkungen,
  • einem Kinderwunsch,
  • den operativen Möglichkeiten der Klinik, der Chirurgin oder des Chirurgen, sowie
  • dem Alter der Frau: Frauen entscheiden sich mit Ende vierzig möglicherweise eher für eine zurückhaltende Behandlung und gegen einen operativen Eingriff als junge Frauen, weil sie auf ein Ende der Beschwerden durch die bevorstehenden Wechseljahre hoffen.

Quellennachweis

[1] Denny E. Women's experience of endometriosis. J Adv Nurs 2004; 46: 641-648.
(Zusammenfassung auf PubMed http://www.ncbi.nlm.nih.gov/sites/entrez?Db=pubmed&Cmd=ShowDetailView&TermToSearch=15154905)

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Quelle: www.gesundheitsinformation.de


  

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