Abnehmen: Gewichtsabnahme nach Schwangerschaft
Gewichtszunahme in der Schwangerschaft
„Keine Sorge – Sie werden das zusätzliche Gewicht bald wieder loswerden, wenn Sie Ihr Baby stillen!” „Seien Sie vorsichtig – ich habe das zusätzliche Gewicht nach dem zweiten Kind nie wieder verloren.” „Essen Sie, worauf Sie Lust haben – Sie essen schließlich für zwei!“ Wie bei so vielen Fragen rund um die Schwangerschaft scheint es manchmal, als habe jeder eine andere Meinung zur damit verbundenen Gewichtszunahme. Da kann es schwierig sein, sich angesichts all der widersprüchlichen Ratschläge zum Thema "Abnehmen" zurechtzufinden. Und ein Vergleich mit den Hochglanzfotos von Filmstars, die sich nur wenige Wochen nach der Geburt im Bikini präsentieren, macht der Durchschnittsfrau die Mutterschaft im wirklichen Leben auch nicht gerade leichter.
Die Geburt eines Kindes ist eine bedeutsame Veränderung in Ihrem Leben und kann viele Ihrer üblichen Abläufe und Gewohnheiten durcheinanderbringen – auch das, was Sie essen und ob und wie Sie Sport treiben. Was also gilt für Sie und Ihr Baby in der Schwangerschaft als „normal”? Was können Sie nach der Geburt realistischerweise erwarten? Lesen Sie weiter, um herauszufinden, was die Wissenschaft zu einigen dieser Fragen herausgefunden hat und wie andere Frauen mit dieser Situation umgehen.
Welche Gewichtszunahme ist in der Schwangerschaft „normal”?
Es gibt keine absolute Gewichtszunahme, die für alle Schwangeren gleichermaßen empfohlen werden kann. Eine kleine, untergewichtige Frau muss unter Umständen eine andere Menge an Gewicht zunehmen als eine Frau, die bereits vor ihrer Schwangerschaft starkes Übergewicht hatte.
Auch während der Schwangerschaft entwickelt sich die Gewichtszunahme unterschiedlich: Schwangere nehmen in den letzten Schwangerschaftsmonaten stärker zu als in den ersten Monaten. Die zusätzlichen Kilos sind nicht nur dem Gewicht des heranwachsenden Kindes zuzuschreiben, sondern werden auch benötigt, weil der Körper der Mutter das Kind ernähren und unterstützen muss. Auch wenn Sie stark übergewichtig sind, ist es also nötig, dass Sie in der Schwangerschaft noch zunehmen. Viel von dem zusätzlichen Gewicht – besonders in der frühen Schwangerschaft – ist zusätzliche Flüssigkeit (Wasser), die der Körper einlagert. Sie wird für den zusätzlichen Kreislauf für Baby und Plazenta benötigt.
In den 1930er Jahren empfahlen Ärztinnen und Ärzte allen Schwangeren, ihre Gewichtszunahme auf ungefähr 6,8 kg zu begrenzen. In den 1970er Jahren änderte sich diese ärztliche Empfehlung, da man erkannt hatte, dass eine allzu starke Beschränkung der Gewichtszunahme in der Schwangerschaft schädlich sein könnte. Das US-amerikanische Institute of Medicine (IOM) gab Leitlinien heraus, an denen sich Ärztinnen und Ärzte auf der ganzen Welt - auch in Deutschland - orientierten.
Im Mai 2009 hat das IOM überarbeitete Leitlinien veröffentlicht. Dabei berücksichtigt es eine wichtige Übersichtsarbeit über die wissenschaftlichen Belege zur Gewichtszunahme in der Schwangerschaft, die im Mai 2008 von der Agency for Healthcare Research and Quality (AHRQ), einer US-amerikanischen Behörde, veröffentlicht wurde. Die AHRQ-Wissenschaftlerinnen folgerten darin, dass es nicht sicher sei, ob eine bestimmte, für alle Schwangeren geltende Gewichtszunahme empfohlen werden könne.
Da es immer noch keine bessere wissenschaftliche Einschätzung gibt, welche Gewichtszunahme normal ist: Was sagen die Leitlinien?
Zunächst ist zu berücksichtigen, ob Sie übergewichtig, im normalen Bereich oder untergewichtig sind. Es gibt zwei übliche Messmethoden, um Übergewicht zu bestimmen: den "Body Mass Index" (BMI) und das Messen des Taillenumfangs. Der BMI hilft dabei, herauszufinden, wie viel man im Verhältnis zur Körpergröße wiegt. Ihr Taillenumfang gibt einen Hinweis darauf, wie sich Ihr Körperfett verteilt.
Der BMI ist die gängigste Methode, um festzustellen, ob man übergewichtig oder stark übergewichtig (adipös) ist. Er ist eine Maßzahl, die das Verhältnis des Gewichts zur Körpergröße beschreibt. Teilweise gibt es unterschiedliche Auffassungen darüber, ab wann man von Übergewicht und Fettleibigkeit spricht. Bei einem BMI zwischen 25 und 30 gilt man meist als übergewichtig. Das allein ist nicht unbedingt ein Problem für die Gesundheit. Übergewicht kann aber problematisch sein, wenn Sie bereits bestimmte Krankheiten wie zum Beispiel Typ-2-Diabetes haben. Als adipös gelten Menschen, die einen Body Mass Index von über 30 haben. Adipositas (Fettleibigkeit) ist ein höheres Gesundheitsrisiko als Übergewicht. Mehr über Gewicht und Gesundheit im Allgemeinen und über das Messen des Taillenumfangs können Sie hier (URL: http://www.gesundheitsinformation.de/merkblatt-gesundheitliche-vorteile-des-abnehmens.398.402.html) nachlesen.
Die IOM-Empfehlungen zu BMI und Gewichtszunahme sind:
- Wenn Sie vor der Schwangerschaft untergewichtig waren (für das IOM ist das ein BMI unter 20): zwischen 12,5 und 18 kg Gewichtszunahme während der Schwangerschaft
- Wenn Sie vor der Schwangerschaft normalgewichtig waren (für das IOM ist das ein BMI zwischen 20 und 26): zwischen 11,5 und 16 kg Gewichtszunahme während der Schwangerschaft
- Wenn Sie vor der Schwangerschaft übergewichtig waren (für das IOM ist das ein BMI zwischen 26 und 29): zwischen 7 und 11,5 kg Gewichtszunahme während der Schwangerschaft
- Wenn Sie vor der Schwangerschaft adipös waren (für das IOM ist das ein BMI über 29): zwischen 5 und 9 kg Gewichtszunahme während der Schwangerschaft
Wenn Sie sehr jung sind, ist es möglicherweise nötig, dass Sie mehr Gewicht zunehmen, weil Teenager vielleicht selbst noch wachsen.
Ihr Gewicht allein ist kein Gradmesser dafür, wie gut es Ihrem Baby gerade geht – nicht einmal dafür, wie viel Gewicht Ihr Baby gerade zulegt. Dies hängt von vielen Faktoren ab. Vor der Geburt kann man nicht wirklich sicher sein, wie viel das Baby wiegt. Mit Ultraschall und anderen Untersuchungen kann man Hinweise erhalten, wie das Baby sich entwickelt.
Kann eine zu starke (oder zu geringe) Gewichtszunahme Probleme verursachen oder ein Anzeichen für ernste Probleme sein?
Frauen, die in der Schwangerschaft sehr viel Gewicht zunehmen, haben ein höheres Risiko für manche Gesundheitsprobleme. Wie die Wissenschaftlerinnen der AHRQ herausfanden, sind ein Kaiserschnitt (Sectio caesarea) und eine Makrosomie (ein sehr großes Kind mit einem Geburtsgewicht über 4000 oder 4500 g) bei ihnen wahrscheinlicher. Außerdem haben sie ein höheres Risiko, das zusätzliche Gewicht nach der Geburt nicht wieder zu verlieren. Die Forschung ist sich aber immer noch nicht sicher, ob eine übermäßige Gewichtszunahme in der Schwangerschaft auch die Wahrscheinlichkeit erhöht, dass das Kind später übergewichtig oder fettleibig (adipös) wird.
Eine Gewichtsabnahme und Unterernährung während der Schwangerschaft können dem heranwachsenden Kind schaden - häufig, weil es dann zu früh geboren wird oder ein zu niedriges Geburtsgewicht hat.
Bei einem plötzlichen Gewichtsanstieg oder bei einer Zunahme von mehr als einem halben Kilogramm pro Woche werden Ihre Ärztin, Ihr Arzt oder Ihre Hebamme Ihr Gewicht überwachen und zusätzliche Untersuchungen durchführen. Sehr schnelle und hohe Gewichtszunahmen (etwa 1 kg in einer einzigen Woche) können ein Zeichen für gesundheitliche Probleme bei der Schwangeren sein, beispielsweise für eine Präeklampsie.
Die Präeklampsie ist eine schwangerschaftsbedingte Erkrankung, die vor allem durch Bluthochdruck (Hypertonie) gekennzeichnet ist. Sie kann für die Mutter und ihr Kind lebensbedrohlich werden. Eine Präeklampsie kann das Wachstum des Babys beeinträchtigen und zu einer schweren Erkrankung der Mutter führen; dazu gehört zum Beispiel ein Risiko für Krampfanfälle (Konvulsionen).
Eine stärkere Gewichtszunahme kann ein Risikofaktor, aber auch ein Anzeichen für einen Schwangerschaftsdiabetes (Gestationsdiabetes) sein. Dabei hat eine Frau, die bisher keine Diabetes-Erkrankung hatte, auf einmal einen erhöhten Blutzuckerspiegel. Ein Schwangerschaftsdiabetes kann zu einer übermäßigen Gewichtszunahme des Ungeborenen führen.
Wie kann ich genug Gewicht zunehmen, wenn ich untergewichtig und schwanger bin?
Es gibt keine feste Regel, was rasch beim Zunehmen hilft, und für keine bestimmte Ernährungsweise ist nachgewiesen, dass sie besonders effektiv ist. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler haben untersucht, ob Nahrungsergänzungen (wie proteinhaltige Produkte) untergewichtigen Frauen helfen können, zuzunehmen. Sie konnten jedoch nicht feststellen, dass eine bestimmte Nahrungsergänzung zu besonders guten Ergebnissen führt. In der Arztpraxis, bei der Hebamme oder bei einer qualifizierten Ernährungsberatung können Sie sich erkundigen, was Ihnen helfen kann, Gewicht zuzulegen.
Wie kann ich verhindern, dass ich in der Schwangerschaft zuviel zunehme?
Sie und Ihr Baby brauchen während der Schwangerschaft eine ausgewogene Ernährung. Wenn Sie Ihre Energiezufuhr zu stark beschränken, könnten Sie beide Schaden nehmen. Andererseits könnte auch eine übermäßige Gewichtszunahme für Sie beide ungesund sein.
Ein mögliches Problem – besonders, wenn Sie bereits übergewichtig sind – ist, dass Sie sich in der Schwangerschaft plötzlich ganz anders ernähren als vorher. Vielleicht genießen Sie es sehr, schwanger zu sein, und haben das Gefühl, dass Sie sich in dieser Zeit auch alles erlauben und gönnen können. Oder Sie sind gestresst und kämpfen vielleicht mit all den großen Veränderungen in Ihrem Körper und Ihrem Leben, sodass Sie mehr oder andere Dinge essen, um sich besser zu fühlen. Das wird oft „emotional eating“ (englisch, etwa: Essen aufgrund von Gefühlen) genannt. Für viele Frauen kann „emotional eating“ eine einfache Möglichkeit werden, sich einen Genuss zu verschaffen oder auch mit Erschöpfung besser fertig zu werden. In Grenzen ist das auch unproblematisch – jeder von uns isst manchmal etwas Leckeres, um sich beispielsweise zu trösten, wach zu halten oder sich etwas Gutes zu tun –, aber es kann sich schnell zu einer Gewohnheit entwickeln, die Probleme verursacht.
In der Forschung zu Gewichtszunahme in der Schwangerschaft sind folgende Maßnahmen untersucht worden: individuelle Ernährungsberatung (oft von einer Fachkraft aus der Ernährungswissenschaft oder Diätassistenz), Kochvorführungen und Bewegungsprogramme. Auch wenn all dies einzelnen Frauen helfen kann, konnten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler noch nicht aufzeigen, ob eine dieser Maßnahmen eine besonders hohe Erfolgsrate hat. Sie können in der Arztpraxis, bei der Hebamme oder bei einer qualifizierten Ernährungsberatung nachfragen, wenn Sie Unterstützung benötigen, oder sich erkundigen, welche Angebote in Ihrer Region verfügbar sind.
Ist es eine gute Idee, mich regelmäßig zu wiegen?
Das weiß man noch nicht genau. Ärztinnen, Ärzte und Hebammen werden Sie normalerweise während der Schwangerschaft einmal im Monat wiegen, vielleicht auch öfter, wenn es Anzeichen für Probleme gibt. Wenn die Schwangerschaft schon fortgeschritten ist, sind Sie vielleicht häufiger in der Arztpraxis oder bei der Hebamme, und dann werden Sie wahrscheinlich auch öfter gewogen.
Sich selbst zu wiegen, kann Vor- und Nachteile haben: Die Forschung ist sich noch nicht sicher, was für einen Nutzen es hat. Einige Untersuchungen mit nicht schwangeren Menschen haben ergeben, dass wöchentliches Wiegen dabei helfen könnte, das Gewicht besser unter Kontrolle zu halten - das ist jedoch nicht sicher. Sich oft auf die Waage zu stellen, kann auch bewirken, dass man sich schlechter fühlt – wir wissen auch das nicht genau. Deshalb ist alles, was man zu diesem Zeitpunkt sagen kann, dass ein wöchentlicher Gang auf die Waage Ihnen vielleicht nicht schadet, es aber keinen Grund gibt, sich mit häufigem Wiegen unter Druck zu setzen.
Kann ich Dehnungsstreifen und Rückenschmerzen vorbeugen, wenn ich meine Gewichtszunahme im Griff habe?
Darauf gibt es bisher keine eindeutige Antwort. Die AHRQ-Wissenschaftlerinnen haben versucht herauszufinden, wie sich die Gewichtszunahme auf die sogenannten Schwangerschafts- oder Dehnungsstreifen, auf Rückenschmerzen und andere häufige Probleme während einer Schwangerschaft auswirkt. Sie wollten auch wissen, welchen Einfluss das Gewicht auf die Energie im Alltag hat. Es gibt jedoch überraschend wenig Forschung zu diesen Fragen. Sie werden bestimmt viele Theorien darüber hören und lesen, was die genannten Probleme verursacht und was helfen könnte. Keine davon ist aber durch gute Forschungsergebnisse belegt.
Ob Sie Dehnungsstreifen oder Rückenschmerzen bekommen, hängt nicht nur von dem zugenommenen Gewicht ab. Sehr plötzliche und starke Gewichtsschwankungen können mehr Dehnungsstreifen verursachen, aber es ist unklar, ob man Dehnungsstreifen dadurch vorbeugen kann, dass man sein Gewicht niedrig hält.
Abnehmen: Wann werde ich das zusätzliche Gewicht nach der Geburt wieder verlieren, und gibt es etwas, das ich dafür tun sollte?
Ungefähr das Vorschwangerschaftsgewicht zu erreichen, wird nicht unbedingt sehr schnell gehen. Für manche Frauen reicht es aus, zu stillen und sich um das Baby zu kümmern, damit das in der Schwangerschaft zugenommene Gewicht dahinschmilzt: Offensichtlich benötigen sie sogar diese gespeicherte Energie, um die ersten Wochen und Monate der Mutterschaft gut zu überstehen.
Die meisten Frauen nähern sich ihrem alten Gewicht erst ungefähr sechs Monate nach der Geburt wieder an. Frauen, die nicht den größten Teil des zugenommenen Gewichts innerhalb von sechs Monaten oder einem Jahr nach der Geburt wieder verloren haben, könnten möglicherweise auch langfristig eher Gewichtsprobleme entwickeln. Dieses Problem kann sich bei der nächsten Schwangerschaft noch verstärken.
Die besten Möglichkeiten, Gewicht zu verlieren, sind eine ausgewogene Ernährung und zusätzliche körperliche Bewegung. Programme zur Veränderung von Ess- und Lebensgewohnheiten versuchen, genau dies zu erreichen. Das bedeutet nicht, dass man damit gleich nach der Geburt anfangen soll. In den Studien zu solchen Programmen begannen die Frauen ein bis zwei Monate nach der Geburt damit, manchmal auch noch später. Nach der Geburt erschwert es das Abnehmen, dass die Frau genügend Nährstoffe für das Stillen benötigt, wenn sie dem Baby die Brust gibt.
Eine übermäßige oder allzu plötzliche Gewichtsabnahme kann aber auch Nachteile haben. Zu den möglichen unerwünschten Wirkungen einer zu strengen Diät oder von zu viel körperlicher Bewegung nach der Geburt eines Kindes gehört, dass die Muttermilch weniger wird oder ihre Qualität nachlässt. Wir wissen aber noch nicht sicher, unter welchen genauen Bedingungen das ein Problem werden könnte.
Die Forschung gibt Hinweise, dass eine leichte oder moderate Diät – mit oder ohne zusätzliche körperliche Bewegung – Ihnen helfen könnte, nach der Geburt wieder abzunehmen. Wenn Sie sich mehr bewegen, hilft das zwar vielleicht nicht unbedingt dabei, schnell Gewicht zu verlieren, aber es könnte die „kardiovaskuläre Fitness“ (die Belastbarkeit von Herz und Kreislauf) verbessern und noch andere Vorteile haben. Mehr über die Forschung dazu können Sie hier (URL: http://www.gesundheitsinformation.de/index.623.517.de.html) lesen. In diesen Studien nahmen die Frauen ab, indem sie an Informationsreihen, Kochvorführungen, Gruppentreffen zur Gewichtsabnahme oder Bewegungsprogrammen teilnahmen – zum Beispiel Kinderwagen-Walking-Treffen. Mehr allgemeine Informationen zu Gewichtsabnahme finden Sie hier (URL: http://www.gesundheitsinformation.de/gewichtsabnahme.398.56.html) .
Wie fühlen sich Frauen in der Schwangerschaft und danach mit ihrem Körper und ihrem Gewicht?
Frauen werden ständig mit vielen unrealistischen Bildern des weiblichen Körpers konfrontiert, und der Körper rund um Schwangerschaft und Geburt ist da keine Ausnahme. Das macht es schwierig für viele Frauen, mit ihrer Figur zufrieden zu sein, und es kann ihr Selbstbild und ihre Freude am eigenen Körper beeinträchtigen. Die Medien üben zusätzlichen Druck auf Schwangere und Mütter aus, indem sie ausführlich darüber berichten, wie rasch Stars ihre Vor-Schwangerschafts-Figur wieder erreicht haben. Es ist jedoch sehr ungewöhnlich, während der Schwangerschaft nicht zuzunehmen – und Sie können nicht davon ausgehen, dass Sie schon einige Wochen nach der Geburt Ihr altes Gewicht wieder erreicht haben.
Hinzu kommt noch, dass es dem ungeborenen Baby schaden kann, wenn Sie die Gewichtszunahme zu stark begrenzen. Wenn Sie nicht so viel zunehmen, dass Sie übergewichtig oder adipös werden, wird es möglicherweise auch nicht sehr schwierig sein, wieder zum Normalgewicht zurückzukehren.
Andererseits ist die Schwangerschaft für viele Frauen eine Zeit, in der sie ihren Bauch, ihre Kurven und das werdende Leben in sich intensiv genießen – und sich eine Auszeit von der ständigen Sorge um ihre Kleidergröße nehmen können. Das kann eine der wirklich angenehmen Seiten einer Schwangerschaft sein. Ein Problem entsteht höchstens dann, wenn Sie sich sehr weit von Ihrem normalen Gewichtsrahmen und Ihren Ernährungsgewohnheiten entfernen: Dann kann es schwer sein, zu dem gesünderen Lebensstil „vor dem Baby“ zurückzukehren. Sie müssen aber nicht modelverdächtig dünn sein, um glücklich und gesund zu sein und ein gesundes Baby zu haben.
Abnehmen: Wie wird man das in der Schwangerschaft zugenommene Gewicht am besten wieder los?
Es ist normal, dass man das in der Schwangerschaft zugenommene Gewicht in den Monaten nach der Geburt nur allmählich wieder verliert. Wenn sich dieses Gewicht innerhalb von etwa sechs Monaten nicht von allein spürbar abbaut, könnten eine Diät und körperliche Bewegung helfen. Übermäßige Anstrengungen zur Gewichtsabnahme wirken sich jedoch möglicherweise negativ auf das Stillen aus.
Eine Gewichtszunahme während der Schwangerschaft ist normal. Diese Kilos werden benötigt, um das im Mutterleib heranwachsende Baby zu ernähren. Ein Teil dieses Gewichts kommt dadurch zustande, dass der Körper der Frau viel Flüssigkeit einlagert, die für den zusätzlichen Kreislauf für Plazenta und Baby benötigt wird. Oftmals bewirken die zusätzlichen Anstrengungen nach der Geburt, die mit dem Füttern und Versorgen des Neugeborenen einhergehen, dass das zugenommene Gewicht von selbst wieder dahinschmilzt. Doch bei vielen Frauen verschwinden diese Pfunde nicht so schnell: Nahezu die Hälfte aller Frauen hat sechs Monate nach der Geburt das Gewicht vor der Schwangerschaft noch nicht annähernd wieder erreicht.
"Annähernd" meint eine Abweichung um ein oder zwei Kilogramm gegenüber dem Vorschwangerschaftsgewicht, nicht unbedingt genau dasselbe Gewicht. Generell nehmen Frauen mit steigendem Alter allmählich an Gewicht zu, unabhängig davon, ob sie Kinder haben oder nicht. Normalerweise führt dies nicht zu gesundheitlichen Problemen. Eine schwangerschaftsbedingte Gewichtszunahme kann aber manchmal dazu beitragen, dass eine bis dahin eher normalgewichtige Frau übergewichtig oder fettleibig (adipös) wird. Frauen, die den Großteil des in der Schwangerschaft zugenommenen Gewichts nicht ein halbes oder ein Jahr nach der Geburt ihres Kindes wieder verloren haben, haben eine höhere Wahrscheinlichkeit, langfristig Gewichtsprobleme zu entwickeln. Dieses Problem kann sich in einer folgenden Schwangerschaft weiter verstärken.
Wie sich langfristige Gewichtsprobleme nach der Schwangerschaft vermeiden lassen
Einer der besten Möglichkeiten, um Gewichtsprobleme nach der Geburt zu vermeiden, ist, während der Schwangerschaft genug für die eigene Gesundheit und die des Babys zuzunehmen, aber nicht zu viel. Mehr über eine normale Gewichtszunahme in der Schwangerschaft erfahren Sie in unserem Merkblatt (URL: http://www.gesundheitsinformation.de/index.623.518.de.html) .
Als zweiter Ansatzpunkt kommen Änderungen der Ess- und Bewegungsgewohnheiten in Betracht. Die Geburt eines Kindes bringt das gewohnte Leben gehörig durcheinander. Manchmal ändert die Mutter deshalb ihre Essgewohnheiten oder verzichtet auf ihre gewohnte sportliche Betätigung. Dies ist einer der Gründe, warum es schwierig sein kann, das Schwangerschaftsgewicht wieder loszuwerden, oder warum es zu lebenslangen Gewichtsproblemen kommen kann.
Die besten Möglichkeiten, Gewicht zu verlieren, sind eine ausgewogene Ernährung und zusätzliche körperliche Bewegung. Programme zur Veränderung von Ess- und Lebensgewohnheiten versuchen, genau dies zu erreichen. Nach einer Geburt können der zusätzliche Stress für die Mutter und die Notwendigkeit, genügend Nährstoffe für das Stillen aufzunehmen, das Abnehmen erschweren. Das Stillen selbst kann wiederum bei der Gewichtsabnahme helfen, dieser Effekt reicht jedoch nicht immer aus.
Eine übermäßige oder allzu plötzliche Gewichtsabnahme kann aber auch Nachteile haben. Zudem ist es nicht sinnvoll, direkt nach der Geburt mit der Gewichtsabnahme zu beginnen. Zu den möglichen unerwünschten Wirkungen einer zu strengen Diät oder von zu viel körperlicher Bewegung nach der Geburt eines Kindes gehört, dass die Muttermilch weniger wird oder ihre Qualität nachlässt. Es gibt auch ungesunde Wege, Gewicht abzunehmen – die aktuelle Modediät oder das neuste Wundermittel sind zum Beispiel wahrscheinlich keine gute Idee. Allgemeine Informationen zur Gewichtsreduktion können Sie hier (URL: http://www.gesundheitsinformation.de/merkblatt-gesundheitliche-vorteile-des-abnehmens.398.402.de.html) finden.
Forschungsergebnisse zu Möglichkeiten zur Gewichtsabnahme nach der Geburt
Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des internationalen Forschungsnetzwerks Cochrane Collaboration haben nach Studien gesucht, die helfen könnten, die Frage zu beantworten, wie Frauen nach einer Geburt ihr Gewicht optimal – und sicher – wieder senken können. In solchen Studien werden freiwillig teilnehmende Frauen entweder einem bestimmten Programm zur Gewichtsabnahme zugeteilt oder einer Gruppe, in der sie ihr Leben wie gewohnt weiterführen sollen. Später werden die Ergebnisse der verschiedenen Gruppen miteinander verglichen, um zu sehen, welches Programm erfolgreicher war oder mehr Nachteile aufwies als andere Maßnahmen. Mehr über diese Forschungsmethode und warum sie sich am besten eignet, um herauszufinden, ob ein Ernährungs- oder Bewegungsprogramm wirklich funktioniert, können Sie hier (URL: http://www.gesundheitsinformation.de/geprufte-medizin.61.html) erfahren.
Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Cochrane Collaboration fanden nur 6 Studien zu verschiedenen Maßnahmen der Gewichtsreduktion nach der Geburt, an denen weniger als 250 Frauen teilgenommen haben. In den Studien wurden folgende Programme untersucht:
- Kinderwagen-Walking in einer Gruppe mit anderen Frauen
- Gruppentreffen zur Gewichtsabnahme mit Informationseinheiten über Essgewohnheiten, Beobachtung des eigenen Essverhaltens und darüber, wie man sich zusätzliche Bewegung verschaffen kann – einige davon mit Kochvorführungen
- kalorien- oder fettreduzierte Diäten mit oder ohne Bewegungsprogramm
Die Bewegungsprogramme starteten einen oder zwei Monate nach der Geburt. Die Programme waren sehr unterschiedlich, und an jeder Studie nahmen nur vergleichsweise wenige Frauen teil. Deshalb kamen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zu dem Schluss, dass es noch zu früh ist, um sagen zu können, welches die effektivste Form der Gewichtsabnahme nach einer Geburt ist und ob manche Methoden sich schädlich auf das Stillen auswirken. Nach Einschätzung der Wissenschaftlergruppe lassen die wissenschaftlichen Belege darauf schließen, dass eine gesunde Ernährung mit oder ohne körperliche Bewegung den Frauen helfen kann, ihr Gewicht nach einer Geburt zu reduzieren, ohne dass sich dies nachteilig auf das Stillen auswirkt. In den kleinen Studien bewirkte selbst viel körperliche Bewegung keine zusätzliche Gewichtsabnahme. Allerdings wiesen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler darauf hin, dass körperliche Bewegung auch die "kardiovaskuläre Fitness" (die Belastbarkeit von Herz und Kreislauf) verbessern kann und noch mit anderen Vorteilen als nur einer Gewichtsabnahme verbunden sein könnte.
Weitere Informationen zu Gewichtsabnahme und körperlicher Bewegung, darunter auch zu den gesundheitlichen Vorteilen des Gehens, finden Sie hier (URL: http://www.gesundheitsinformation.de/merkblatt-gesundheitliche-vorteile-des-abnehmens.398.402.de.html) .
Quellen: Die IQWiG-Gesundheitsinformationen stützen sich auf Forschungsergebnisse aus der internationalen Literatur. Wir identifizieren die zuverlässigsten aktuell verfügbaren wissenschaftlichen Erkenntnisse, insbesondere aus sogenannten "systematischen Reviews". Das sind zusammenfassende Analysen wissenschaftlicher Studien zu den Auswirkungen von Maßnahmen der Gesundheitsversorgung. Mehr Informationen dazu, wie systematische Reviews aufgebaut sind und warum sie die zuverlässigsten Belege liefern, finden Sie hier (URL: http://www.gesundheitsinformation.de/geprufte-medizin.61.html) . Außerdem bitten wir stets die Autorinnen und Autoren der zentralen systematischen Reviews, auf denen unsere Informationen beruhen, um ihre Unterstützung, um die medizinische und wissenschaftliche Korrektheit unserer Produkte sicherzustellen.
Amorim Adegboye AR, Linne YM, Lourenco PMC. Diet or exercise, or both, for weight reduction in women after childbirth. Cochrane Database of Systematic Reviews 2008, Issue 2. [Cochrane-Zusammenfassung (URL: http://www.mrw.interscience.wiley.com/cochrane/clsysrev/articles/CD005627/frame.html)
Quelle: Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG)
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