Wechseljahre

Die Wechseljahre sind in den letzten Jahren immer wieder in den Schlagzeilen gewesen. Aus gutem Grund. Denn Wissenschaftler haben herausgefunden, dass die weit verbreitete Hormonbehandlung nicht den langfristigen Nutzen hat, den viele Experten vorhergesagt haben. Für Frauen, die unter starken Wechseljahrsbeschwerden leiden, ist die Situation durch die enttäuschenden Nachrichten allerdings nicht einfacher geworden.

Wir haben uns deshalb auf die Suche gemacht, was über Nutzen und Risiken von Hormonen und möglichen Alternativen bekannt ist. Für Frauen mit Wechseljahrsbeschwerden gibt es zwar eine Vielzahl von Gegenmaßnahmen, für die meisten fehlen aber zuverlässige Beweise, dass sie Beschwerden lindern können. Besser untersucht sind Hormonpräparate mit "Östrogenen", gegebenenfalls kombiniert mit "Gestagenen". Für Frauen mit starken Beschwerden sind diese Medikamente eine wirksame Therapie. Allerdings gilt für Hormone, was für alle Medikamente gilt: Es gibt keine wirksame Behandlung, die nicht auch Nebenwirkungen und Risiken mit sich bringt.

1. Persönliche Bedeutung der Wechseljahre

Karin:

„Ich empfinde es als angenehm, dass die Regelblutungen nicht mehr da sind. Ich hatte sie immer sehr spät bekommen. Sie waren verbunden mit viel Bauchweh und der Busen tat weh. Wenn die Kinder dran gestoßen sind oder beim Treppensteigen, dann tat das weh. Dass ich das jetzt nicht mehr habe, das finde ich wirklich toll.“

Susanne:

„Das war ein Einschnitt in meinem Leben. Ich habe dies als Belastung empfunden. Ich hatte auch Zweifel: ¸Bin ich jetzt überhaupt noch eine Frau? Was macht das Frau sein aus?'“

Maria:

„Ich habe es als sehr positiv, als eine große Erleichterung empfunden, dass ich nach der Menopause nicht mehr schwanger werden konnte.“

Das öffentliche Bild der Wechseljahre ist derzeit nicht besonders positiv. Kein Wunder, schließlich werden Frauen seit Jahrzehnten mit der Behauptung konfrontiert, dass sie sich besondere Sorgen um ihre Gesundheit machen müssten, weil sich mit den Wechseljahren Alterungsprozesse anscheinend beschleunigen. Die Betonung hatte zur Folge, dass sich die Wechseljahre zu einem medizinischen Problem gewandelt haben, für das es scheinbar eine einfache Lösung gibt: die Behandlung mit Hormonen.

Wenn man hingegen Frauen befragt, wie sie selbst ihre Wechseljahre beurteilen, haben die oft eine ganz andere und viel umfassendere Sichtweise [3],[4],[1]. Frauen gehen ihren eigenen Weg durch die Wechseljahre, den einzig richtigen Weg gibt es nicht. Einige Frauen beachten die Wechseljahre gar nicht weiter. Andere werten sie als wichtige Phase in ihrem Leben, aus der sich durchaus positive Perspektiven ergeben. Manche nutzen die Zeit, über ihr bisheriges Leben nachzudenken und sich kritisch zu fragen, was für sie wirklich wichtig ist. Für etwa jede zweite Frau sind die Wechseljahre der Auslöser für eine Um- und Neuorientierung [5],[2]: Sie ändern ihren Lebensstil [5], verlagern die Schwerpunkte ihres Lebens und/oder konzentrieren sich mehr auf die eigenen Interessen oder auf die eigene Zukunft. Andere kümmern sich mehr um ihren Bekannten- und Freundeskreis [2]. Ebenso normal ist es, dass sich solche Neuorientierungen nicht ohne Unsicherheit und wechselnde Gefühle bewältigen lassen. Auch die Empfindungen während der Wechseljahre sind so verschieden wie die Frauen selbst: Sie reichen von "neuer Freiheit und Energie", über "Aufbruchstimmung" bis hin zu "sich alt und nutzlos fühlen" [2].

Susanne:

„Ich denke, die Wechseljahre sind eine echte Krise. Die Zeit ist wirklich mit der Pubertät zu vergleichen. Man muss sich neu orten und positionieren. Vieles wird in Frage gestellt, nicht von anderen, sondern durch sich selbst. … Ich kann nicht sagen, ob ich die Wechseljahre bewusst als Chance gesehen habe. … Als ich ungefähr 50 Jahre alt wurde, bin ich ruhiger und gelassener geworden. Verunsicherungen und bestimmte Prozesse waren verarbeitet. Ich habe mir vorher auch nicht bewusst gemacht, dass die Wechseljahre eine Chance sein können.“

Viele Frauen würden ihre Gefühle gerne mit Freundinnen oder Freunden, der Mutter oder dem Partner besprechen [2]. Solch ein Gespräch ist jedoch nicht immer einfach. Einige Frauen vermeiden das Thema lieber ganz, oder sie reden mit ihrer Ärztin oder ihrem Arzt oder anderen professionellen Beratern.

Maria:

„Ich denke, dass ich während der Wechseljahre selbstständiger geworden bin. Ich bin allein zu Vorträgen gegangen oder habe Theatervorstellungen besucht. In dieser Zeit wurde auch mein erstes Enkelkind geboren. Ich habe mich dann darauf konzentriert. Ich glaube, ich habe versucht, mich unbewusst an die neue Lebenssituation anzupassen.“

„Früher war das kein Thema. Man hat nicht darüber gesprochen. Meine Mutter habe ich höchstens im Unterrock gesehen. Das war eine andere Zeit… Da hat sich sehr viel verändert. Darum habe ich meine Tochter beneidet. Ich habe das ja selber auch vermisst.“

Karin:

Frauen machen manchmal die Erfahrung, dass sich ihre Partner gar nicht für ihre Wechseljahre interessieren oder nur wenig Verständnis zeigen [2]. Schätzungsweise ein Viertel der Männer weiß fast nichts über diese Phase im Leben der Frau [6],[7]. Man kann es zur Ehrenrettung der Männer aber auch positiver formulieren: Die Mehrzahl der Männer bemüht sich, eine Hilfe zu sein [7].

Karin:

„Mein Mann meinte, als ich ihm sagte, dass dies die Wechseljahre sein müssen: „Bei uns wird nicht gewechselt.“ Da fühlte ich mich schon ein wenig verarscht (lacht). Mein Mann konnte das nicht nachempfinden.“

Körperliche Veränderungen sind für viele Frauen nur eine von vielen Facetten der Wechseljahre, solange sie nicht unter starken Beschwerden leiden. Sie scheinen sich gewöhnlich nicht weniger attraktiv oder weiblich zu fühlen, wenn sie in die Wechseljahre gelangen [1],[2]. Wenn körperliche Beschwerden auftreten, können sie einige Frau jedoch verunsichern [2]. Für viele Frauen ist es wichtig, dass sie sich in ihrem Körper wohlfühlen.

Karin:

„Vielleicht denken manche Frauen: „Jetzt kann ich nie wieder ein Kind kriegen.“ Diese Gedanken hatte ich zwar nicht gehabt, aber ich kann mir das schon vorstellen. Ich habe das nicht so empfunden.“

Maria:

„Die Wechseljahre habe ich für mich als unerheblich empfunden. Ich habe mir gedacht, dass ich da jetzt einfach durch muss. Ich habe die Wechseljahre nicht als unangenehm empfunden. Aber es war auch nicht so stark bei mir. Es war äußerst unkompliziert.“

In unserem Artikel konzentrieren wir uns auf medizinische Aspekte der Wechseljahre. Das heißt aber nicht, dass die Wechseljahre hauptsächlich ein medizinisches Problem sind.

2. Hintergrund

Maria:

„Die Abstände zwischen den Regelblutungen wurden immer größer. Manchmal waren die Abstände aber auch kürzer. Es war ganz unregelmäßig. Die Stärke der Blutungen wurde mit der Zeit immer schwächer. Mit 51 hatte ich dann meine letzte Regelblutung.“

2.1. Über die Wechseljahre und die Menopause

Wenn ein Mädchen auf die Welt kommt, besitzt es in seinen Eierstöcken bereits den gesamten Vorrat an Eizellen, der ihm im Laufe des Lebens zur Verfügung steht. Diese Eizellen liegen in kleine Bläschen verpackt, den so genannten Follikeln. Während der Pubertät sorgen dann mehrere Hormone dafür, dass der erste der ruhenden Follikel heranreift und eine Eizelle freigibt. Das ist der Beginn der fruchtbaren Phase. Von diesem Zeitpunkt an lassen mehrere Hormone jeden Monat aufs Neue einen Follikel heranreifen, der selbst auch wieder Hormone produziert.
Gebärmutter mit Eierstöcken und Eileitern

Eine der Folgen des monatlichen Hormonzyklus ist, dass sich die Schleimhaut der Gebärmutter auf die mögliche Einnistung eines befruchteten Eies vorbereitet. Wenn die Eizelle nicht befruchtet wird, stirbt sie, und die Gebärmutter stößt die alte Schleimhaut ab. Es kommt zur Regelblutung, auch "Periode" oder "Menstruation" genannt. Solange eine Frau nicht schwanger ist und keine hormonellen Verhütungsmittel einnimmt, zeigt eine Blutung normalerweise an, dass ein Zyklus zu Ende gegangen ist und ein neuer angefangen hat.

Ungefähr mit 50 Jahren kommt es dann zur letzten Blutung. Diese letzte Periode nennen Mediziner "Menopause" [8]. Entscheidend für den Zeitpunkt der letzten Regelblutung ist, wann eine Frau ihren Vorrat an Follikeln in den Eierstöcken aufgebraucht hat. Bis zu einem Alter von etwa 40 Jahren nimmt die Anzahl der Follikel langsam ab, danach sinkt die Zahl sehr rasch, bis schließlich keine Follikel mehr heranreifen [8]. Das Ende der fruchtbaren Zeit kündigt sich bei einigen Frauen so behutsam an, dass sie es gar nicht bemerken. Zum Beispiel werden die Abstände zwischen den Blutungen unregelmäßig, oder die Blutungen fallen mal stärker und mal schwächer aus. Andere Frauen bekommen den Beginn aber deutlich durch körperliche Symptome zu spüren.

Normalerweise lässt sich erst rückblickend festlegen, wann die letzte Blutung stattgefunden hat. Wenn die Blutung an zwölf aufeinander folgenden Monaten ganz ausgeblieben ist, dann hatte eine Frau mit hoher Sicherheit ihre Menopause.

Der Zeitraum von ein oder zwei Jahren vor der letzten Regelblutung wird Prämenopause genannt, die Zeit danach heißt auch Postmenopause [8]. In diesem Zeitraum stellt sich der Körper auf ein neues hormonelles Gleichgewicht ein. Bei einer Reihe von Frauen ist diese Umstellung mit Beschwerden verbunden, die manchmal recht stark sein können. Wie lange die Wechseljahre dauern, ist von Frau zu Frau unterschiedlich. Meist sind es einige Jahre. Die Wechseljahre werden manchmal auch "Klimakterium" genannt. Das Wort Klimakterium kommt aus dem Griechischen und bedeutet soviel wie "kritischer Punkt im menschlichen Leben".

Karin:

„Bei mir fing es im 35. Lebensjahr an, dass die Menstruation sehr durcheinander war. Am Anfang habe ich beim Kaffeetrinken gemerkt, wie ich plötzlich einen ganz heißen Kopf bekam. Ich habe das anfangs gar nicht auf die Wechseljahre geschoben.“

Susanne:

„Ich merkte dann, dass meine Periode unregelmäßig kam. Damals bin ich davon ausgegangen, dass dies durch Stress oder durch die neue Situation verursacht wurde. Vorher konnte ich mich ziemlich darauf verlassen, dass mein Zyklus regelmäßig war, mit Abweichungen von maximal drei Tagen.“

„Induzierte“ Menopause Bei einigen Frauen ist die Menopause eine Nebenwirkung einer Behandlung bestimmter Krankheiten. Ein Grund ist beispielsweise die Entfernung beider Eierstöcke (Ovarektomie). Ein anderer, wenn die Eierstöcke zum Beispiel durch eine Chemotherapie oder eine Strahlenbehandlung gegen Krebs geschädigt werden. Das Ende der Regelblutung wird dann als „induzierte“ oder auch „künstliche“ Menopause bezeichnet. Die Entfernung der Gebärmutter (Hysterektomie) verursacht selbst keine Menopause, wenn die Eierstöcke erhalten bleiben. Frauen mit induzierter Menopause erleben oft dieselben Beschwerden wie Frauen mit natürlicher Menopause. Sie können aber sehr viel jünger sein. Die induzierte Menopause stellt Frauen oft vor ganz eigene Fragen, auf die wir in diesem Text allerdings nicht weiter eingehen können.

2.2. Wann die Menopause eintritt

Bei der Mehrheit der Frauen tritt die Menopause im Alter zwischen 40 und 58 Jahren ein [9], das Durchschnittsalter liegt bei 51 Jahren [10],[11]. Wenn die Menopause vor dem 40. Lebensjahr eintritt, wird sie als "vorzeitig" bezeichnet.

Maria:

„Den Beginn der Wechseljahre bei mir habe ich daran erkannt, dass mein Zyklus unregelmäßiger wurde. Ich war zu diesem Zeitpunkt ungefähr 45 Jahre alt.“

Es gibt Hinweise, dass das Alter, in dem eine Frau ihre letzte Blutung hat, erblich festgelegt ist [12]. Das bedeutet, dass die Menopause bei Müttern und Töchtern ungefähr im gleichen Alter auftritt.

Susanne:

„Deshalb denke ich, dass vielleicht auch eine familiäre Veranlagung da ist. Ich kann mich erinnern, dass sich meine Mutter damals über die Schweißausbrüche beklagte. Sie war dann zwischen 50 und 55 Jahre alt. Als meine Periode ganz aufhörte, war ich Anfang des 50. Lebensjahres.“

Einige Wissenschaftler vermuten, dass es weitere Faktoren gibt, die den Zeitpunkt der Wechseljahre beeinflussen. Dazu gehört die Zahl der Geburten. Die höhere Geburtenrate könnte zum Beispiel dafür verantwortlich sein, dass Frauen in einigen Entwicklungsländern die Menopause etwas früher erleben [8].

Außerdem sollen die Wechseljahre angeblich bei Raucherinnen früher eintreten, auch Über- oder Untergewicht oder die Zykluslänge sollen einen Einfluss auf den Beginn haben [11]. Allerdings existieren für keine dieser Vermutungen eindeutige Belege [11].

2.3. Hormonelle Veränderungen

Karin:

„In den letzten Jahren hatte ich meine Regelblutung sehr schwach, aber dafür häufiger oder auch länger oder auch mal nur zwei Tage.“

Zum Ablauf des weiblichen Zyklus gehört auch die Produktion von Hormonen. Bis zum Eisprung produziert der heranreifende Follikel steigende Mengen an Östrogenen, nach dem Eisprung steigen die Mengen an "Progesteron". Beide Hormone bereiten nicht nur den Körper der Frau auf eine mögliche Schwangerschaft vor, sondern haben zum Beispiel auch Wirkungen auf Haut und Schleimhäute [13].

In den Wechseljahren sinkt der Östrogenspiegel allmählich ab. Dadurch verschiebt sich das Verhältnis von Östrogen zu anderen Geschlechtshormonen. Außerdem reagiert der Körper auf den Rückgang der Östrogene, indem er mehr von einem anderen Hormon bildet, dem so genannten follikelstimulierenden Hormon (FSH) [14],[15].

Auch wenn diese Veränderungen typisch für die Wechseljahre sind, lässt sich durch eine Messung der Hormonspiegel gewöhnlich nicht festlegen, ob und welche Behandlung sinnvoll ist. Das liegt daran, dass die Hormonspiegel in der Phase um die letzte Regelblutung stark schwanken können. Auch durch eine Untersuchung der Eierstockfunktion lässt sich nicht sicher entscheiden, ob die Menopause bereits eingetreten ist [8].

Susanne:

„Bei dieser Unregelmäßigkeit anfangs wurde mir klar, dass Frauen in diesem Alter noch schwanger werden können.“

Selbst wenn die Blutungen bereits unregelmäßig sind, kann eine Frau immer noch schwanger werden. Niedrige oder schwankende Hormonspiegel sind kein Schutz gegen Schwangerschaft [8],[10],[14]. Hormone zur Linderung von Wechseljahrsbeschwerden schützen ebenfalls nicht.

3. Wechseljahrsbeschwerden und Gesundheit

3.1. Folgen der Wechseljahre für die Gesundheit

Hitzewallungen, Schweißausbrüche und eine trockene Scheide sind die häufigsten Beschwerden in den Wechseljahren [10],[11]. Wenn Hitzewallungen und Schweißausbrüche in der Nacht auftreten, stören sie oft den Schlaf. Dennoch können nicht alle körperlichen und emotionalen Veränderungen in dieser Lebensphase mit den Wechseljahren begründet werden. Veränderungen der Stimmungslage, der seelischen Gesundheit, Konzentrations- und Gedächtnisstörungen sowie körperliche Beschwerden wie zum Beispiel Rückenschmerzen sind eher keine direkte Folge der Wechseljahre.

Bei einer Reihe von Krankheiten gibt es die Meinung, dass mit den Wechseljahren das Erkrankungsrisiko einer Frau schneller zunimmt. Oft werden Herz-Kreislaufrankheiten als Beispiel genannt. Es stimmt zwar, dass Frauen nach den Wechseljahren ein höheres Herzinfarktrisiko haben als Frauen vor den Wechseljahren, doch der Grund dafür ist alleine der Altersunterschied. Die Wechseljahre haben darauf keinen Einfluss [16],[17],[18]. Die Wechseljahre können aber ein Anlass sein, darüber nachzudenken, wie die eigene Gesundheit im Alter erhalten oder verbessert werden kann.

3.2. Hitzewallungen und Schweißausbrüche

Hitzewallungen und Schweißausbrüche werden unter dem Begriff „vasomotorische Symptome“ zusammengefasst. Die Ursache der Hitzewallungen liegt darin, dass sich die direkt unter der Haut liegenden Gefäße plötzlich weiten. Dann fließt mehr warmes Blut aus dem Körperinneren durch die Haut, was die Frau als Wärmeschub empfindet. Hitzewallungen äußern sich als eine plötzlich auftretende heiße Welle, die meist von Brust, Nacken und Gesicht ausgeht. Das Hitzegefühl verteilt sich durch den Körper, häufig in Richtung Kopf, Arme oder Beine. Bei Hitzewallungen kann die Haut fleckig und rot werden, und sie können teilweise starkes und großflächiges Schwitzen auslösen. Viele der betroffenen Frauen spüren gleichzeitig starkes Herzklopfen, das ist aber normalerweise kein Zeichen für eine Herzerkrankung. Einige Frauen fühlen sich während einer Hitzewallung plötzlich sehr unwohl in ihrem Körper.

Karin:

„Als das damals anfing, hatte ich das Gefühl, als ob der Kopf explodiert und das Herz puckerte stark, alles gleichzeitig. Bei einem Kaffeetrinken mit ein paar Frauen habe ich wirklich gedacht, dass mir das Herz herausspringt. Ich wusste nicht, was passiert. Ich denke, bevor man begriffen hat, was das war, da war es auch schon wieder vorbei.

Manchmal fand ich es unangenehm, wenn ich einen Kunden im Sommer bedienen musste. Aber man riecht es eigentlich gar nicht. Wenn ich schwitze, weil ich körperlich aktiv bin, dann riecht es anders, als wenn ich eine Hitzewelle habe.“

Die Hitzewallungen dauern im Durchschnitt etwa drei Minuten, sie können vereinzelt aber bis zu einer Stunde anhalten [8],[10]. Nach einer Hitzewallung stellt sich manchmal ein Fröstelgefühl ein [10].

Etwa die Hälfte bis zwei Drittel der Frauen hat in den Wechseljahren Hitzewallungen und Schweißausbrüche [10],[11],[19]. Oft sind die Beschwerden aber nur schwach und stören kaum. Bei anderen Frauen können Hitzewallungen gelegentlich so stark werden, dass sie den Alltag, die Arbeit oder den Schlaf massiv stören [1],[10].

Maria:

„Ich hatte auch Hitzewallungen, meistens in der Nacht. Aber so oft war das nicht. Wenn ich Hitzewallungen hatte, dann habe ich sie als sehr unangenehm empfunden, besonders im beruflichen Leben. Zuerst wurde mir immer sehr warm, dann heiß und dann bekam ich einen Schweißausbruch.“

Susanne:

„Ich habe mir dann gesagt: „Das hältst du auf Dauer nicht durch.“ Ich hatte wirklich die Befürchtung, dass ich deshalb krank werde. Ich war ja berufstätig. Wenn eine Hitzewelle während eines Gesprächs kam, habe ich mich schmutzig und unsicher gefühlt. Es wurde für mich dann klar, dass die Wechseljahre auf natürliche Weise zu erleben, ein unerfüllter Traum bleiben wird.“

Die Hitzewallungen werden mit Beginn der Wechseljahre zunächst häufiger [11], lassen dann aber mit der Zeit meist wieder nach [9],[10],[11]. Bei den meisten Frauen hören die Hitzewallungen innerhalb von ein oder zwei Jahren von ganz alleine wieder auf. Etwa ein Drittel der Frauen erlebt sie über einen Zeitraum von ungefähr fünf Jahren, nur bei wenigen Frauen halten sie noch länger an [20].

Karin:

„Am Anfang fand ich es schrecklich mit den Hitzewallungen. Das kann man gar nicht erklären. Auf einmal, nach 20 Minuten, bekommt man die nächste. Es ist wie wehenartig, wie wenn man ein Kind bekommt. Jetzt habe ich seit drei Jahren meine Menstruation nicht wieder bekommen. Aber diese Hitzewellen habe ich noch. Manchmal kommen sie in längeren Abständen, dann mal wieder in kürzeren Abständen. Ich bekomme sie aber nicht mehr jede viertel Stunde, wie es die ersten Jahre war.“

Wie Hitzewallungen entstehen
Hitzewallungen werden vermutlich von einem Zentrum im Gehirn gesteuert, das die Körpertemperatur reguliert. Wenn die Körpertemperatur zu stark ansteigt, kann das Zentrum eine vorübergehende Erweiterung der Blutgefäße in der Haut veranlassen. Die Gefäßerweiterung wird Vasodilatation genannt. Sie bewirkt, dass mehr Blut durch die Haut fließen kann und der Körper so mehr Wärme abgibt, um die Körpertemperatur zu senken. Die Haut empfindet das als Hitzeschub. Wissenschaftler vermuten, dass die nachlassende Hormon- und Östrogenproduktion in den Eierstöcken Auswirkungen auf diese Temperatursteuerung hat, die genauen Ursachen der Hitzewallungen sind jedoch nicht bekannt [9].

Auch andere Einflüsse stehen unter Verdacht, Hitzewallungen zu fördern. Dazu gehören Stress, Nervosität, bestimmte Medikamente, starker Kaffee oder Tee, Gewürze und Alkohol, zu warme Umgebung und eine angeschlagene Gesundheit. Ob diese Faktoren aber wirklich Hitzewallungen fördern, ist wissenschaftlich nicht nachgewiesen [8].

3.3. Sexualität ist nur wenig beeinflusst

Die Auswirkungen der Wechseljahre auf die Sexualität sind von Frau zu Frau verschieden. Manche befürchten, dass ihnen die Freude an ihrer Sexualität verloren geht [21], andere sind mit ihrem Sexualleben zufrieden [22]. Bei einigen Frauen nimmt die sexuelle Erregbarkeit oder das sexuelle Interesse etwas ab [2], andere haben hingegen ein besseres Sexualleben als zuvor [4].

Das deutet schon an, dass sich sexuelle Veränderungen in den mittleren Lebensjahren nicht alleine mit den Wechseljahren oder der Menopause erklären lassen. Bislang gibt es keine Belege, dass die Menopause selbst das sexuelle Empfinden oder Verlangen sowie die sexuelle Aktivität beeinträchtigt [11]. Das Älterwerden an sich spielt da offenbar eine wichtigere Rolle [10]. Hinzu kommen psychologische, soziale, kulturelle und persönliche Faktoren.

Ein konkretes Hindernis kann aber eine trockene Scheide sein. Etwa 3 von 10 Frauen (30 %) haben in der Zeit kurz vor und nach der Menopause damit Beschwerden [11]. Das kann sich durch Juckreiz äußern und Infektionen begünstigen, aber auch der Geschlechtsverkehr kann unangenehm sein [10]. Das Problem entsteht aber nicht plötzlich, sondern entwickelt sich mit der Dauer der Wechseljahre. Manche Frauen stört es erst lange nach der letzten Blutung.

Susanne:

„Ich hatte kein großes Problem mit der Trockenheit der Scheide. Es dauerte etwas länger, aber es war nicht so schlimm, dass ich mit Mitteln nachhelfen musste.“

4. Was eine Frau gegen Wechseljahrsbeschwerden tun kann

Karin:

„Die Wechseljahre aushalten…ich denke mir, es muss nicht immer eine Lösung geben. Es muss mir nicht jeden Tag toll gehen. Dann könnte ich es ja gar nicht mehr unterscheiden. Jeder muss herausfinden, was für einen am besten ist.“

Zur Linderung von Wechseljahrsbeschwerden stehen verschiedene Behandlungsformen zur Auswahl. Der mögliche Nutzen und die unerwünschten Wirkungen der verschiedenen Behandlungen unterscheiden sich deutlich. Aber auch ohne Behandlung lassen Hitzewallungen und Schweißausbrüche bei fast allen Frauen mit der Zeit nach und gehen schließlich von alleine wieder weg. Die Wechseljahre sind keine Krankheit. Es ist normal, dass im mittleren Alter die Hormonspiegel sinken. Diese Hormone müssen nicht ersetzt werden.

Susanne:

„Damals bin ich auch zu Vorträgen gegangen, um mich zu informieren, wie ich die Wechseljahre ohne Hormone verkraften kann. Ich hatte den ernsthaften Willen, die Wechseljahre auf natürliche Weise durchzustehen.“

Grundsätzlich gibt es vier Möglichkeiten, mit Beschwerden wie Hitzewallungen und Schweißausbrüchen umzugehen. Manche Frauen warten einfach ab, bis die Wechseljahre überstanden sind. Wem das nicht genügt, der kann versuchen, durch Anpassungen des Lebensstils - zum Beispiel durch mehr Bewegung - besser vorbereitet zu sein. Viele Frauen interessieren sich für pflanzliche Mittel oder für eine Methode der komplementären/alternativen Medizin. Gegen eine trockene Scheide werden außerdem hormonfreie Gleitmittel und Feuchtigkeitscremes angeboten. Schließlich gibt es verschiedene Varianten einer Behandlung mit Hormon-Medikamenten.

Leider kann man nicht jedem Versprechen glauben, das es zu diesen verschiedenen Ratschlägen und Präparaten gibt. Manche dieser Mittel sind allerdings längst nicht so wirksam, wie allgemein angenommen wird. Andere haben ernsthafte Nebenwirkungen, die manchmal unterschätzt werden. Ein Grund für solche Fehleinschätzungen ist, dass es auch für Experten sehr schwer ist, den vollständigen Überblick über die wissenschaftlichen Studien zu behalten, die es zu den verschiedenen Behandlungsmöglichkeiten gibt. Wir stützen unsere Bewertung deshalb auf so genannte systematische Übersichten und versuchen so, eine möglichst verlässliche Antwort zu geben.

Allerdings gibt es in der Medizin viele wichtige Fragen, auf die noch keine klaren Antworten möglich sind. Wir haben uns dafür entschieden, in solchen Situationen keine Spekulationen anzustellen, ob etwas nun eher wirksam sein könnte oder nicht, sondern es offen einzugestehen, dass wir die Antwort nicht kennen. Wir warten lieber ab, bis neue wissenschaftliche Studien veröffentlicht werden und sich ein klareres Bild über Nutzen und Sicherheit einer Behandlung zeigt. Das bedeutet, dass wir auch diesen Artikel aktualisieren, sobald es wichtige neue Forschungsergebnisse gibt.

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Quelle: www.gesundheitsinformation.de


  

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